Ablauf einer Therapie

Rund um eine Psychotherapie


Was ist denn eigentlich eine Psychotherapie und was nicht?

Damit Sie nicht enttäuscht werden, möchte ich Ihnen nachfolgend eine Idee vermitteln, was man sich manchmal unter Therapie vorstellt, diese aber nicht ist, und was stattdessen zutrifft.


Was Psychotherapie nicht ist

Psychotherapie ist kein Ort, an dem man einfach nur

  • „mal Dampf ablassen“ kann

  • sich alles von der Seele redet und danach automatisch erleichtert ist

  • jedes Mal mit einem guten Gefühl rausgeht

  • bestätigt bekommt, dass die anderen schuld sind

  • schnelle Lösungen oder Abkürzungen geliefert bekommt

Sie ist auch nicht:

  • ein Wohlfühlgespräch

  • eine dauerhafte emotionale Entlastungsstation

  • ein Ort für reine Selbstoptimierung

  • Ersatz für Freundschaften

  • Motivationstraining

  • Lebensberatung nach dem Motto: „Was würden Siedenn an meiner Stelle tun?“


Und ganz wichtig:
Therapie ist nicht immer angenehm.
Manchmal ist sie anstrengend, verunsichernd, konfrontierend oder macht Dinge erst einmal schmerzhafter sichtbar, bevor sie sich verändern lassen.

Wenn es sich immersofort besser anfühlt, passiert oft zu wenig.


Was Psychotherapie ist

Psychotherapie ist eine Heilbehandlung.

Das heißt:

  • Sie richtet sich an psychische Erkrankungen oder klinisch relevante Symptome

  • Sie hat einen diagnostischen Rahmen

  • Sie folgt einem begründeten, methodischen Vorgehen

  • Sie zielt auf nachhaltige Veränderung, nicht auf kurzfristige Erleichterung

Psychotherapie bedeutet:

  • innere Muster erkennen

  • Zusammenhänge verstehen (Biografie, Lernen, Schutzmechanismen)

  • dysfunktionale Strategien sichtbar machen – auch wenn sie sich „normal“ anfühlen

  • emotionale Prozesse aushalten lernen, statt sie nur zu regulieren oder zu vermeiden

  • neue Erfahrungen ermöglichen, nicht nur neue Einsichten


Abgrenzung: Therapie vs. Coaching vs. Beratung


🧠Psychotherapie

  • Heilbehandlung

  • bei psychischen Störungen, Leidensdruck, Einschränkung

  • arbeitet mit Symptomen, Emotionen, Beziehungsmustern, inneren Konflikten

  • darf auch destabilisieren, um Entwicklung zu ermöglichen

  • Ziel: Gesundung, Symptomreduktion, innere Flexibilität


🚀 Coaching

  • keine Heilbehandlung

  • richtet sich an psychisch gesunde Menschen

  • Fokus: Ziele, Entscheidungen, Leistung, Rolle, Selbstmanagement

  • arbeitet meist zukunfts- und lösungsorientiert

  • Ziel: Optimierung, Klarheit, Umsetzung

Coaching fragt:

„Wo willst du hin – und wie kommst du da hin?“


📋 Beratung

  • Informations- und Orientierungshilfe

  • klärt Optionen, rechtliche oder praktische Fragen

  • eher sachlich, weniger prozess- oder emotionsorientiert

  • Ziel: Wissen, Einordnung, Entscheidungshilfe

Beratung sagt:

„Das sind Ihre Möglichkeiten – und die Konsequenzen.“




Manche Dinge scheinen auf den erste Blick unglaublich kompliziert- ein kleiner Überblick über Behandlungsablauf und Stundenkontingente sowie Beantragungen


Ab dem 01.04.2017 gibt es diverse Veränderungen für den formalen Ablauf einer Psychotherapie.

Diese möchte ich kurz erläutern:

Jeder Psychotherapie müssen mind. 50 Minuten Sprechstunde vorausgehen. Die Sprechstunde kann in 25 Minuten-Einheiten stattfinden. Insgesamt können 150 Minuten im Krankheitsfall (aktuelles Quartal plus 3 darauffolgende Quartale) in Anspruch genommen werden. Während der Sprechstunde ist es unsere Aufgabe herauszufinden, ob eine Psychotherapie in Frage kommt, wenn ja mit welchem Verfahren (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundiert, systemische Therapie oder EMDR) und in welchem Setting (Einzel- oder Gruppentherapie oder kombiniert), oder ob alternative Angebote der richtige Weg wären (Erziehungs-/Sucht-/Paarberatung usw.). Um dies entscheiden zu können, soll eine diagnostische Einordnung sowie eine erste Problemanalyse stattfinden.

Die eigentliche Therapie kann auch bei einem anderen Therapeuten begonnen werden. Leider wird es nur in Ausnahmefällen möglich sein, direkt in den nächste Schritt, die Probatorik, überzugehen.

Prinzipiell beginnt die eigentliche Psychotherapie mit den sogenannten probatorischen Sitzungen. Das heißt in vier Sitzungen haben Sie die Gelegenheit Ihre/n Therapeuten/in kennenzulernen. In einer Psychotherapie ist eine gute Beziehung da A und O. Stimmt die "Chemie" nicht, ist es sehr schwer konstruktiv an Problemen zu arbeiten. Wer möchte schon gerne einer Person, der er nicht vertraut, die ihm unsympathisch ist usw. sein Seelenleben offenbaren? Dies ist also eine Funktion der Probatorik. Auf der anderen Seite gilt dies auch für den Therapeuten. Weiterhin hat dieser die Aufgabe sich einen Überblick zu verschaffen und die Probleme des Patienten vor dem Hintergrund der individuellen Lebensgeschichte zu verstehen. Dazu gehört natürlich eine ausführliche biographische Anamnese. In der Regel wird ein strukturiertes klinisches Interview zur Diagnosestellung durchgeführt.

Sind alle Informationen beisammen und eine Diagnose gestellt, wird Ihnen der Therapeut seinen Behandlungsvorschlag unterbreiten. Neben diesem wird er Sie auch über Erfolgsaussichten, Risiken sowie alternative Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Wenn sich nun beide Parteien einig sind, kann die Akutbehandlung beginnen. Diese dauert 12 mal 50 Minuten und kann in eine Kurzzeittherapie mit erneut 12 Therapiesitzungen übergehen.

Wird dann oder von Beginn an deutlich, dass deutlich mehr Stunden benötigt werden, kann eine Langzeittherapie mit 60 bzw. 80 Stunden beantragt werden. Dies erfolgt über einen Gutachter.

Es kommt aber auch vor, dass das Therapieziel vor Erreichung des Stundenkontingents erreicht ist. Dann müssen die restlichen Stunden nicht in Anspruch genommen werden, bzw. können zur Stabilisierung usw. auf einen längeren Zeitraum ausgedehnt werden.

Generell ist es gegen Ende einer Therapie angezeigt, die ursprünglich wöchentlichen Termine auf weitere Zeiträume auszudehnen. Dies erleichtert die Beendigung der Therapie und hilft bei der eigenständigen Umsetzung des Erlernten


In der Regel behandle ich in Form von Intervallen, d.h. wir machen nach Ausnutzung des ersten Teils der Kurzzeittherapie eine Pause, um zu sehen, inwieweit Sie das Erlernte schon selbständig umsetzen können. Bei Bedarf beantragen wir das nächste Kontingent usw.


Eine Therapie ist immer Hilfe zur Selbsthilfe und somit auf einen begrenzten Zeitraum beschränkt.

Das Konzept der lebenslangen Therapie gibt es so nicht. 

Ich kann Sie immer nur auf einem kleinen Stück Ihres Lebensweges begleiten.









Anna-Marisa Vandenberg

Diplom-Psychologin

Psychologische Psychotherapeutin


Stangenröder Weg 5

35305 Grünberg

Tel. 06401-4009218

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