Adulte ADHS

Diagnostik Adulte ADHS


Ein oft unerkanntes Phänomen mit weitreichenden Folgen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird häufig als eine Kinder- und Jugendkrankheit betrachtet. Doch sie verschwindet nicht zwangsläufig im Erwachsenenalter – im Gegenteil: Schätzungen zufolge haben etwa 3–5 % der Erwachsenen weiterhin ADHS-Symptome. Allerdings bleibt die Störung bei vielen Betroffenen unerkannt, was schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Warum wird ADHS im Erwachsenenalter oft nicht erkannt?

  1. Verändertes Erscheinungsbild
    Während sich ADHS bei Kindern häufig durch Hyperaktivität und Impulsivität äußert, stehen bei Erwachsenen oft innere Unruhe, Konzentrationsprobleme und emotionale Dysregulation im Vordergrund. Dadurch wird die Störung oft mit Stress, Depressionen oder Angststörungen verwechselt.

  2. Anpassungsstrategien
    Viele Betroffene entwickeln über die Jahre Kompensationsmechanismen, um ihre Schwierigkeiten zu kaschieren. Sie arbeiten etwa mit To-do-Listen, strukturieren ihren Alltag extrem oder meiden herausfordernde Situationen. Das kann den Eindruck erwecken, sie hätten keine ADHS-Probleme.

  3. Mangelndes Bewusstsein bei Fachleuten
    Noch immer sind viele Ärztinnen und Therapeutinnen nicht ausreichend mit ADHS im Erwachsenenalter vertraut. Oft erhalten Betroffene stattdessen Fehldiagnosen wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen.

  4. Fehlende Kindheitsdiagnose
    Viele Erwachsene mit ADHS hatten in ihrer Kindheit keine offizielle Diagnose, da das Störungsbild damals weniger bekannt war oder ihre Symptome nicht als behandlungsbedürftig erkannt wurden. Ohne frühere Diagnose wird die Möglichkeit einer adulten ADHS oft gar nicht in Betracht gezogen.

Folgen einer unerkannten ADHS im Erwachsenenalter

Ohne Diagnose und angemessene Behandlung kann ADHS erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben:

  • Berufliche Schwierigkeiten: Probleme mit Zeitmanagement, Vergesslichkeit und Unorganisiertheit können zu häufigem Jobwechsel, unterdurchschnittlicher Leistung oder sogar Arbeitslosigkeit führen.
  • Beziehungsprobleme: Impulsivität und emotionale Reizbarkeit können Konflikte in Partnerschaften, Freundschaften und im sozialen Umfeld verstärken.
  • Psychische Belastung: Viele Erwachsene mit unerkanntem ADHS leiden unter chronischer Frustration, Selbstzweifeln oder Ängsten. Nicht selten entwickeln sie Depressionen oder Suchtprobleme als Bewältigungsstrategie.
  • Alltagsprobleme: Schwierigkeiten mit Finanzen, Haushalt, Terminen oder Verpflichtungen können zu chaotischen Lebensumständen und anhaltendem Stress führen.

Fazit

Adulte ADHS bleibt oft unerkannt, weil sich die Symptome im Vergleich zur Kindheit verändern und es an Bewusstsein für die Störung mangelt. Die Folgen für Betroffene können gravierend sein – von beruflichen Schwierigkeiten über emotionale Probleme bis hin zu psychischen Erkrankungen. Eine rechtzeitige Diagnose und gezielte Behandlung (z. B. Verhaltenstherapie, Coaching oder medikamentöse Unterstützung) können jedoch helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.


Diagnose der adulten ADHS: Methoden und Verfahren

Die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter ist oft komplex. Da es keine einzelne, eindeutige Testmethode gibt, erfolgt die Diagnostik durch eine ausführliche Untersuchung, die verschiedene Verfahren kombiniert.


Sie können sich den Ablauf so vorstellen:

1. Anamnese: Der wichtigste Baustein

Die Basis der Diagnose bildet ein ausführliches Gespräch mit einer Fachperson (z. B. Psychiaterin oder spezialisierter Psycholog*in). Dabei wird die aktuelle Symptomatik erfasst und nach ADHS-Anzeichen in Kindheit und Jugend gefragt. Entscheidend ist, dass die Symptome bereits in der Kindheit bestanden haben, auch wenn sie damals nicht als behandlungsbedürftig erkannt wurden.

2. Strukturierte Interviews & Fragebögen

Um die Symptome systematisch zu erfassen, werden häufig standardisierte Interviews und Selbstbeurteilungsbögen verwendet:

  • DIVA 2.0 (Diagnostisches Interview für ADHS bei Erwachsenen)

    • Standardisiertes Interview zur Erfassung der ADHS-Symptomatik im Kindes- und Erwachsenenalter
    • Orientiert sich an den DSM-5-Kriterien (Aufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität)
    • Hilft, ADHS von anderen psychischen Störungen abzugrenzen
  • HASE (Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene)

    • Selbst- und Fremdbeurteilungsbögen zur Erfassung typischer ADHS-Symptome
    • Berücksichtigt auch emotionale und soziale Auswirkungen
    • Ergänzt durch Interviews zur genaueren Differenzierung
  • ASRS (Adult ADHD Self-Report Scale)

    • Ein kurzer Screening-Fragebogen der WHO zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer ADHS
    • Hilft bei der Entscheidung, ob eine genauere Untersuchung sinnvoll ist

3. Fremdanamnese: Zeugnisse und Fremdbefunde

Da ADHS eine lebenslange Störung ist, sind Hinweise aus der Kindheit besonders wichtig. Diese können helfen, Fehldiagnosen (z. B. Depression oder Burnout) zu vermeiden.

  • Schulzeugnisse: Kommentare wie „träumt viel“, „unaufmerksam“, „kann sich nicht konzentrieren“ oder „verliert ständig Dinge“ können Hinweise auf frühere ADHS-Symptome sein.
  • Eltern oder enge Bezugspersonen: Können wertvolle Informationen über Kindheitsverhalten liefern (z. B. Unruhe, Vergesslichkeit, Impulsivität).
  • Alte Arzt- oder Therapeutenberichte: Falls frühere psychische Auffälligkeiten dokumentiert sind.

4. Neuropsychologische Tests & Konzentrationstests

Zur objektiven Messung der Aufmerksamkeit und Impulsivität werden oft computergestützte Tests eingesetzt:

  • TAP (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung): Misst verschiedene Aufmerksamkeitsfunktionen wie Daueraufmerksamkeit, geteilte Aufmerksamkeit oder Ablenkbarkeit.
  • CPT (Continuous Performance Test): Testet die Fähigkeit zur dauerhaften Konzentration und Reaktionskontrolle.
  • QbTest: Misst motorische Aktivität, Impulsivität und Reaktionszeiten über eine Bewegungsanalyse.


Wichtig: Diese Tests allein sind nicht ausreichend für eine ADHS-Diagnose, sondern dienen nur zur Ergänzung der klinischen Beurteilung.


Einplanen sollten Sie mindestens 3-4 Stunden, welche am Stück oder verteilt auf verschiedene Termine stattfinden können.

Hier ist Vorbereitung alles: Ich werde Ihnen vorab, ein Fragebogenpaket zusenden, welches ich vor dem Termin auswerte. Weiterhin benötige ich Zeugnisse und eventuelle Vorbefunde in Kopie. 


Sollte sich die Diagnose sicher stellen lassen, erhalten Sie eine Bescheinigung über diese. Wünschen Sie einen umfangreichen Bericht über mehrere Seite, muss dieser leider privat bezahlt werden. Die gesetzliche Krankenversicherung deckt diese Leistung nicht ab.