Autismus-Spektrum-Störung

Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bei Frauen: Unerkannt, maskiert, übersehen


Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) werden oft als eine „männliche“ Diagnose betrachtet. Tatsächlich sind mehr Jungen als Mädchen diagnostiziert – aber das bedeutet nicht, dass Frauen seltener Autismus haben. Vielmehr wird ASS bei Frauen häufig übersehen, da ihre Symptome anders erscheinen und sie oft von klein auf lernen, sich anzupassen und zu „maskieren“.

Dies kann aber auch auf Männer zutreffen. Auch hier spricht man von maskiertem Autismus. 


Warum wird Autismus bei Frauen seltener erkannt?

  1. Maskierung („Camouflaging“) und soziale Anpassung
    Frauen mit Autismus sind oft besonders gut darin, soziale Regeln zu imitieren. Sie beobachten andere genau und kopieren Mimik, Gestik und Gesprächsverhalten, um nicht aufzufallen. Dadurch wirken sie nach außen oft „normal“, obwohl soziale Interaktionen für sie anstrengend und unverständlich sein können.

  2. Andere Symptomatik als bei Männern

    • Weniger auffällige, aber dennoch tiefgehende soziale Schwierigkeiten
    • Intensives Interesse an Themen, die nicht „typisch autistisch“ erscheinen (z. B. Bücher, Psychologie, Sprachen statt Züge oder Technik)
    • Weniger stereotype Verhaltensweisen wie exzessives Schaukeln oder Handflattern, stattdessen z. B. unauffällige Selbststimulation (z. B. unauffälliges Wippen, Nägelkauen)
    • Starke emotionale Sensibilität, oft verbunden mit Ängsten oder Depressionen
  3. Fehldiagnosen
    Viele autistische Frauen erhalten stattdessen Diagnosen wie:

    • Depressionen oder Angststörungen (weil soziale Unsicherheiten und Reizüberflutung belastend sind)
    • Essstörungen (weil strikte Essgewohnheiten oder sensorische Probleme oft Teil des Autismus sind)
    • Borderline-Persönlichkeitsstörung (weil emotionale Regulation schwerfallen kann)
    • ADHS (weil Aufmerksamkeitsprobleme und Überforderung ähnlich wirken können)
  4. Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen
    Frauen und Mädchen wird oft von klein auf beigebracht, sich sozial anzupassen, nett zu sein und soziale Erwartungen zu erfüllen. Das verstärkt die Maskierung und erschwert eine frühzeitige Diagnose.


Folgen einer unerkannten ASS bei Frauen

Wenn Autismus lange unerkannt bleibt, kann das schwerwiegende Auswirkungen haben:

  • Erschöpfung & Burnout durch ständiges Maskieren
  • Psychische Probleme wie Angststörungen, Depressionen oder Suizidalität
  • Identitätsprobleme („Warum bin ich anders?“)
  • Schwierigkeiten in Beziehungen & im Beruf aufgrund sozialer Missverständnisse und Reizüberflutung


Wie wird ASS bei Frauen erkannt?

  • Autismusspezifische Fragebögen wie RAADS-R oder AQ-10
  • Detaillierte Anamnese mit Fokus auf Kindheit und sozialen Schwierigkeiten
  • Fremdanamnese von Eltern oder engen Bezugspersonen
  • Analyse von Maskierungsstrategien (z. B. Wie oft passe ich mich an? Wie erschöpfend ist das?)


Fazit

Autismus bei Frauen bleibt oft unerkannt, weil sie sich gut anpassen und ihre Symptome anders äußern als bei Männern. Doch die ständige Maskierung kann langfristig zu Erschöpfung und psychischen Problemen führen. Eine späte Diagnose kann helfen, sich selbst besser zu verstehen und Unterstützung zu finden.


Ablauf einer ASS-Diagnostik im Allgemeinen


Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bei Erwachsenen ist ein mehrstufiger Prozess. Besonders bei Frauen ist eine gründliche Diagnostik wichtig, da die Symptome oft subtiler sind oder durch Maskierung überdeckt wurden.

1. Erste Einschätzung & Selbstreflexion

🔹 Selbsttests & Fragebögen:

  • AQ-10 (Autismus-Screening-Fragebogen)
  • RAADS-R (Ritvo Autism and Asperger Diagnostic Scale-Revised)
  • CAT-Q (Camouflaging Autistic Traits Questionnaire) → Speziell zur Maskierung
  • SRS-A (Soziale Responsivitätsskala für Erwachsene)

📌 Diese Tests ersetzen keine Diagnose, können aber Hinweise liefern, ob eine ausführliche Abklärung sinnvoll ist.

2. Erstgespräch mit Fachperson (Hausarzt/Psychiater/Psychologe)

  • Besprechung der aktuellen Schwierigkeiten (soziale Interaktionen, Reizempfindlichkeit, Routinen, besondere Interessen, emotionale Regulation etc.)
  • Differenzialdiagnostik: Abgrenzung von ADHS, Angststörungen, Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Gegebenenfalls Überweisung an eine spezialisierte Diagnosestelle

3. Detaillierte Autismus-Diagnostik durch Spezialisten

✔ Autismusspezifische Diagnostik wird meist von Fachleuten aus Psychiatrie, Neurologie oder Psychologie durchgeführt.

🔎 Klinische Anamnese

  • Detaillierte Erfassung der Kindheitssymptome → Autismus ist eine lebenslange Entwicklungsstörung
  • Fremdanamnese (wenn möglich mit Eltern, Geschwistern oder engen Bezugspersonen)
  • Beruflicher & sozialer Alltag → Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, Routinen, Interessen
  • Erfassung der Maskierungsstrategien (Camouflaging)

4. Standardisierte diagnostische Verfahren

🔹 Strukturierte Interviews & Tests:

  • ADI-R (Autism Diagnostic Interview-Revised) → Tiefgehendes Interview mit Betroffenen & Angehörigen
  • ADOS-2 (Autism Diagnostic Observation Schedule) → Diagnostischer Beobachtungstest (Gespräch, soziale Interaktion)
  • SRS-A (Soziale Responsivitätsskala) → Erfassung von sozialen Schwierigkeiten

🎯 Diese Tests helfen, Autismus von anderen Störungen zu unterscheiden.

5. Zusätzliche neuropsychologische Untersuchungen (falls nötig)

📌 Um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder Begleitdiagnosen zu erfassen:

  • Intelligenzdiagnostik (z. B. WAIS-IV) → Ausschluss von Intelligenzminderung
  • Aufmerksamkeits- & Konzentrationstests (z. B. zur Abgrenzung von ADHS)
  • Sensorische Profile (zur Erfassung von Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Reizen)

6. Diagnosestellung & Abschlussgespräch

  • Besprechung der Diagnose & Erklärung der Autismus-Spektrum-Störung
  • Erörterung möglicher Hilfen:
    • Therapeutische Unterstützung (z. B. Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Coaching)
    • Selbsthilfegruppen & soziale Unterstützung
    • Anpassungen im Beruf/Studium (z. B. Nachteilsausgleich, flexible Arbeitszeiten)

Fazit

Die Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung bei Erwachsenen, insbesondere bei Frauen, erfordert eine detaillierte Untersuchung mit speziellen Interviews, Fragebögen und Tests. Eine gründliche Diagnostik kann helfen, jahrelange Fehldiagnosen zu vermeiden und passende Unterstützung zu erhalten.


Bitte planen Sie ca. 4-5 Stunden ein, welche wir entweder am Stück oder verteilt auf mehrere Termine nutzen. Sie erhalten vorher eine Email oder einen Brief mit nötigen Screeningverfahren. Weiterhin benötige ich Ihre Zeugnisse und eventuelle Vorbefunde in Kopie.

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